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Juli - September

Porsche macht Autobahnbaustellen schlanker und schnellerProduktionsprinzipien aus dem Fahrzeugbau können überflüssige Staus vermeiden

Stuttgart. Lästige Verkehrsstaus vor Autobahnbaustellen können erheblich reduziert werden, wenn die Straßenbauarbeiten durch die konsequente Anwendung schlanker Produktionsmethoden aus der Automobilindustrie beschleunigt werden. Der effiziente Einsatz von Menschen, Maschinen und Material führt neben der Zeitersparnis auch zu erheblicher Kostenentlastung sowie zu spürbaren Qualitäts-
verbesserungen. Das ergab ein Praxisprojekt der Porsche Consulting GmbH, Bietigheim-Bissingen – einer Tochtergesellschaft der
Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart.

Gemeinsam mit dem Straßenbauunternehmen F. Kirchhoff AG, Leinfelden-Echterdingen, entwickelten die Bietigheimer Berater erstmals zeitlich und organisatorisch präzise festgelegte Arbeitsabläufe für die Asphaltierung von Autobahnen. „Der gesamte Prozess musste in einen gleichmäßigen Takt gebracht werden, den alle Beteiligten strikt einhal-
ten. Denn nur eine perfekte Planung, bevor die Baustelle eingerichtet wird, verhindert Zeitverluste“, sagt Eberhard Weiblen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Consulting. Entscheidend ist dabei die Koordination aller Arbeitsschritte – von der Produktion und Bereitstellung des Gussasphalts im Mischwerk, über den Transport per Speditions-
Lkw zur Baustelle bis hin zur optimalen Auslastung der Fertigungs-
maschine und der Männer der Einbaukolonne.

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Eberhard Weiblen

Bereits die erste Analyse des Ist-Zustands auf einer Autobahnbaustelle bei Wurmberg (A 8; Stuttgart-Karlsruhe) ergab, dass die Fertigungs-
maschine pro Stunde zwar mehr als 300 Tonnen Gussasphalt verarbeiten könnte, aber tatsächlich nur auf eine Leistung von
180 Tonnen kam. Die Hauptursache war schnell identifiziert: Unnötiges Warten auf die nächsten Lkw-Ladungen und überflüssige Zeitpuffer brachte die Spezialmaschine immer wieder zum Stillstand. „Das ist extrem teure Zeitverschwendung“, sagt Weiblen, dessen Mannschaft jeden einzelnen Lkw-Einsatz auf so genannten Laufkarten festlegten, die alle Fahrer zum Arbeitsbeginn erhielten. Von da an pendelten die Muldenkipper nach Fahrplänen zwischen Mischwerk und Baustelle. Maßgeblich für die Gestaltung des Lkw-Fahrplans waren die Kapazitäten der Fertigungsmaschine, deren Materialbedarf minutiös ermittelt wurde. Daraus entstand der Zeittakt, dessen konsequente Einhaltung an allen Stationen überwacht wurde. Dieses Muster lässt sich auch auf andere Arbeiten – wie den Kanalbau oder Erdausbau – übertragen.

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Derartige Optimierungen erlauben es, die Bauzeiten nahezu zu halbieren und die Kosten für Personal sowie Maschinen um rund 40 Prozent zu senken. Auch die Qualität gewinnt: Auf Fahrbahndecken, die im gleichmäßigen Takt erstellt wurden, rollen Fahrzeuge ruhiger, weil weniger Übergänge entstehen. Wichtigstes Resultat jedoch ist die Reduzierung des volkswirtschaftlichen Schadens: „Baustellenstaus auf deutschen Autobahnen kosten die Verkehrsteilnehmer pro Jahr
37 Milliarden Euro. Diese Verluste könnten bereits um fünf bis zehn Milliarden Euro niedriger ausfallen, wenn die Bauzeiten um nur 20 bis
25 Prozent verkürzt würden“, so Weiblen. Nach den Berechnungen der Porsche Consulting würde auch die Umwelt deutlich entlastet: Acht Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid-Ausstoß wäre das positive Ergebnis, wenn Staus durch Bauzeitverkürzungen seltener würden.

Auch das Straßenbauunternehmen selbst und seine Auftraggeber profitieren nachhaltig von der Einführung schlanker Prozesse: Überflüssige Kosten entfallen und Zeitverkürzungen schaffen Kapazitäten für zusätzliche Aufträge. Doch gerade am Bau, wo oft viele unterschiedliche Firmen an einem Projekt beteiligt sind, ist die Einführung verschwendungsarmer und transparenter Produktions-
prozesse eine besonders große Herausforderung: „Viele Bauleiter und Disponenten müssten mit jahrelangen Gewohnheiten brechen und erst einmal lernen, Verantwortung für den gesamten Bauablauf zu über-
nehmen sowie von der Planung bis zur Ausführung bereichsüber-
greifend zu kommunizieren. Veränderungsbereitschaft ist hier einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren“, sagt Eberhard Weiblen, der in einer guten Abstimmung aller am Bau Beteiligten das größte Potenzial für Zeitein-
sparungen sieht. Unternehmen, die mit der Umstellung ihrer Arbeits-
weise nachhaltig erfolgreich sein wollen, empfehlen die Berater, im Betrieb einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzuführen, mit dem die Arbeitsabläufe künftig ständig überprüft und an aktuelle Entwicklungen anpasst werden.

Bei ihren methodischen Ansätzen orientiert sich die Porsche Consulting an den erfolgreichen und ständig weiterentwickelten schlanken Produktionsprinzipien im Sportwagenbau der Stuttgarter Mutter-
gesellschaft: Um in der hochkomplexen Fertigung jegliche Ver-
schwendung von Material und Zeit zu vermeiden, müssen alle Zulieferer ihre Teile exakt zum richtigen Zeitpunkt und in der Reihenfolge ans Band bringen, wo sie sofort eingebaut werden. Nur so lassen sich Fahrzeuge in einem kontinuierlichen Fluss wirtschaftlich und in höchster Qualität herstellen. „Die schlichte Idee, sämtliche Arbeitsabläufe nach Wert-
schöpfung und Verschwendung zu beurteilen und entsprechend zu verändern, kann auf alle Branchen sehr wirksam angewendet werden“, so Weiblen.

Die Experten der Porsche Consulting GmbH, die vor 15 Jahren als hauseigene Beratung des Herstellers sportlicher Premiumfahrzeuge gegründet wurde, sind erfahrene Ingenieure und Industriespezialisten, die ihren Fokus grundsätzlich auf praxiserprobte Lösungen richten. Neben Automobilzulieferern zählen unter anderen auch Kunden aus der Konsumgüterindustrie, der Luftfahrt, dem Schiffbau sowie Kliniken und niedergelassene Ärzte zu den Auftraggebern.

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Hinweis: Bildmaterial zur Optimierung von Autobahnbaustellen steht akkreditierten Journalisten auf der Porsche-Pressedatenbank unter der Internet-Adresse http://presse.porsche.de/ zur Verfügung.

02.07.2009