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April - Juni

Vor 75 Jahren: Porsche erhält den Auftrag zur Konstruktion des VolkswagensPorsche-Museum zeigt Sonderausstellung mit seltenem VW-Käfer Prototypen


Stuttgart. Der 22. Juni 1934 war nicht nur für die heutige Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, einer der wichtigsten Tage ihrer frühen Unter-
nehmensgeschichte; er veränderte auch die gesamte Automobil-
geschichte: An jenem Tag erhielt die damalige "Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH, Konstruktionen und Beratung für Motoren- und Fahrzeugbau" vom "Reichsverband der Automobilindustrie" (RDA) den Auftrag zu Konstruk-
tion und Bau des Volkswagens.

Im Rahmen der schwierigen Wirtschaftslage war die Idee eines preis-
günstigen Autos für die breite Bevölkerung immer wieder von Automobil-
Konstrukteuren aufgegriffen worden. Unter ihnen auch Ferdinand Porsche, der zuvor im Laufe seiner Karriere nicht weniger als sieben Kompakt- und Kleinwagenmodelle für verschiedene Hersteller entworfen hatte. Als technische und stilistische Quintessenz dieser Projekte konzipierte er 1933 den Volkswagen, den er am 17. Januar 1934 dem Reichsverkehrsministerium in seinem "Exposé betreffend den Bau eines Deutschen Volkswagens" vorstellte.

Das Konzept aus dem Konstruktionsbüro Porsche überzeugte nicht zuletzt auch die damalige politische Führung. Fünf Monate nach der Übergabe des Exposés erhielt die Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH vom RDA einen von der Reichsregierung initiierten Entwicklungsauftrag. Wurde zunächst nur die Herstellung eines Volkswagen-Prototypen vereinbart, erhöhte der RDA die Zahl am 7. Dezember 1934 vertraglich auf drei Fahrzeuge, welche in der Garage von Ferdinand Porsches Wohnhaus montiert wurden. Fast genau ein Jahr nach dem offiziellen Entwicklungsauftrag war der erste Volkswagen-Prototyp, der V1 (V = Versuchswagen), fahrbereit. Am 3. Juli 1935 stellte Ferdinand Porsche die Limousine einer Kommission des RDA vor. Der zweite Versuchs-
wagen, ein Cabriolet mit dem Namen V2, trat am 22. Dezember 1935 zur Jungfernfahrt an. Nachdem im Februar 1936 mit dem Bau drei weiterer Volkswagen-Prototypen mit der Bezeichnung V3 begonnen wurde, kam seitens des RDA vermehrt Widerstand gegen das Projekt auf. Mit seinem Zentralrohrahmen, der von Porsche erfundenen Drehstabfederung und dem luftgekühlten Vierzylinder-Boxermotor im Heck wurde der Volks-
wagen inzwischen als ernsthafter Konkurrent zu bestehenden Fahrzeugtypen bewertet. Eine weitere Serie von 30 Prototypen (VW30) wurde 1937 bei der damaligen Daimler-Benz AG gebaut und einer groß angelegten Testreihe über 2,4 Millionen Erprobungskilometer unterzogen.

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Entgegen der ersten Überlegung, den Volkswagen von den deutschen Automobilherstellern gemeinsam bauen zu lassen, entschied die Reichsregierung am 4. Juli 1936 den Bau eines eigenständigen Volkswagenwerks. Am 28. Mai 1937 formierte sich die "Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH", kurz "Gezuvor". Als einer der drei Geschäftsführer der "Gezuvor" erhielt Ferdinand Porsche den offiziellen Auftrag für Technik und Planung der zukünftigen Produktionsstätte, mit deren Bau im Mai 1938 in Fallersleben, dem heutigen Wolfsburg, begonnen wurde. Neueste Erkenntnisse über die moderne Automobilfabrikation verschaffte sich Ferdinand Porsche während zwei Studienreisen in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mit dem VW38 hatten die Prototypen in der zweiten Jahreshälfte 1938 einen Entwicklungsstand erreicht, der sich nur noch wenig vom späteren Serienfahrzeug unterschied. Potentielle Käufer konnten nun fünf Mark wöchentlich auf den Volkswagen ansparen, der mittlerweile als Bestandteil der "Kraft durch Freude"-Strategie des Dritten Reichs auf "KdF-Wagen" umgetauft war. Mit einem äußerst niedrigen Verkaufspreis von 990 Reichsmark sollte der Volkswagen für jedermann erschwinglich sein. Kriegsbedingt erreichte jedoch weder einer der rund 340.000 Investoren sein Sparziel, noch wurde ein Volkswagen an einen Privat-
kunden ausgeliefert. Parallel zum "KdF-Wagen" entwickelte Porsche ab 1939 weitere Volkswagen-Varianten, die jedoch zur militärischen Nutzung bestimmt waren. Von den teilweise mit Allradantrieb ausge-
statteten Kübel-, Schwimm- und Kommandeurwagen entstanden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 60.000 Fahrzeuge.

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Eine weitere Konstruktion auf Volkswagen-Basis war der 1939 gebaute Typ 64 "Berlin-Rom-Wagen". Diese Rennsportversion des Volkswagens wurde für das im September 1939 geplante Langstreckenrennen von Berlin nach Rom entwickelt und gilt unter Automobilhistorikern als der Urahn der heutigen Porsche-Sportwagen. Mit seiner stromlinienförmigen Aluminiumkarosserie und einem leistungsgesteigerten VW-Boxermotor erreichte der "Berlin-Rom-Wagen" eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h. Die Serienfertigung des zivilen Volkswagens begann in Wolfsburg im Sommer 1945. Unter der liebevollen Bezeichnung "VW-Käfer" wurde er auf der ganzen Welt so populär wie kaum ein anderes Automodell. Auch in punkto Produktionsdauer und Stückzahl ist er ein Spitzenreiter. Erst im Juli 2003 stellte man die Produktion der letzten VW-Käfer, die noch in Mexiko über die Bänder liefen, ein. Mit 21,5 Millionen Exemplaren gehört der Käfer mit Abstand zu den meist gebauten Autos der Welt.

Das 75jährige Jubiläum des Volkswagen-Auftrags würdigt das Porsche-
Museum vom 22. Juni bis zum 31. Juli 2009 mit einer Sonderaus-
stellung. Neben ausführlichen Informationen und Originalbildern aus den Beständen des Historischen Archivs der Porsche AG wird zudem ein seltener Vorkriegs-Prototyp des Volkswagens gezeigt. Dieser VW 38 aus der Sammlung der Stiftung Volkswagen wurde von Professor Porsche persönlich genutzt und während zahlreicher Dienstfahrten eingesetzt. Eine weitere Seltenheit ist der Prototyp eines "VW-Käfers" mit Diesel-
motor, der Anfang der 1950er Jahre von Porsche konstruiert wurde.

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Hinweis: Bildmaterial zu "75 Jahre Volkswagen-Auftrag" steht akkreditierten Journalisten auf der Porsche-Pressedatenbank unter der Internet-Adresse http://presse.porsche.de/ zur Verfügung.

16.06.2009