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Porsche - „Die Israelis fordern uns – und das ist gut so“

„Die Israelis fordern uns – und das ist gut so“

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Seit der Gründung der Porsche Digital GmbH 2016 ist viel passiert, wurde ein Digital Lab in Berlin aufgezogen, hat Porsche mit weiteren Satelliten die Fühler ausgestreckt: Erst im Silicon Valley, dann hat das Unternehmen 2017 einen zweistelligen Millionenbetrag in die beiden Venture-Capital-Fonds Grove und Magma in Tel Aviv investiert. Und das soll nur der Anfang sein.

Porsche Innovation Office in Tel Aviv

Nach Berlin und dem Silicon Valley will Porsche sich auch in Tel Aviv mit einem Innovation Office und der Investition in Venture-Capital-Fonds Talente und Technologien sichern. Lutz Meschke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand für Finanzen und IT bei Porsche, über zukunftsweisende Geschäftsmodelle.

Israel ist ein Top-Markt für IT-Expertenund Ingenieure. Pro Kopf gibt es dort mehr Start-ups als in jedem anderen Land der Welt. Dieses Talent und technologische Know-how gepaart mit dem tiefen Fachwissen unserer Mitarbeiter ist der ideale Nährboden für zukunftsweisende Geschäftsmodelle. Der enge Austausch mit israelischen Experten ist notwendig, um neue Technologien schnell bewerten zu können, eine enge Verzahnung herzustellen und entsprechende Lösungen pilotieren zu können. Innovationen entstehen nicht von allein. Es geht darum, sie systematisch zu entwickeln. Und dazu öffnen wir uns:

Wir wollen und müssen uns aus anderen Branchen befruchten lassen. Deshalb arbeiten wir mit Start-ups zusammen, aber gehen gleichzeitig auch Kooperationen mit anderen Unternehmen und der Wissenschaft ein und investieren in für uns relevante Fonds. Weitere Beispiele sind die Investition der Porsche Digital GmbH in das Start-up Evopark, die Kooperation mit der HHL Leipzig Graduate School of Management oder die Beteiligung am Venture-Capital-Fonds e.ventures.

Die Dachterassenbar Speakeasy am Rothschild-Boulevard, Tel Avivs Hauptschlagader

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Bei einem Besuch vor Ort merkt Meschke schnell, dass dort Tacheles geredet wird. So darf er sich anhören, dass Porsche zwar mit Sicherheit großartige Autos herstellt, die Israelis der Autoindustrie jedoch generell nicht mehr viele Jahre geben, zumindest nicht in ihrer herkömmlichen Form.

In Deutschland herrscht die Denke vor, dass wir eine sehr erfolgreiche Industrie sind, an der unheimlich viele Arbeitsplätze hängen, und dass wir keine disruptiven Entscheidungen treffen dürfen. Es heißt immer: dosiert, überlegt. Aber in einer disruptiven Welt hast du keine Zeit, Dinge dosiert zu machen. Du kannst nicht vorher alles bis ins kleinste Detail überprüfen. Wir müssen von der Start-up-Kultur lernen, dass von zehn Ideen vielleicht neun sterben werden. Die Israelis verlangen ein ganz anderes Tempo von uns. Und dieses ständige Fordern tut uns gut.

Ich bin überzeugt, dass in den Megacitys der Zukunft nicht mehr der Fahrzeugbesitz entscheidend sein wird, sondern Mobilität on demand. Im ersten Schritt heißt das: Der Kunde kann bei Bedarf jederzeit neue Funktionen dazu erwerben – gegebenenfalls auch nur temporär. Sei es einmalig gegen eine Gebühr, als Flatrate oder im Abo. Denkbar ist auch, sich Module aus dem Bereich des autonomen Fahrens individuell zusammenzustellen. Vielleicht wird sich auch irgendwann alles in der Luft abspielen, mit Drohnen. Aber auch das wird ein Markt sein, den wir uns teilen müssen. Unser Mythos trägt uns vielleicht noch etwas länger als die Volumenhersteller. Aber dann muss das Geld zu einem großen Teil woanders herkommen.

Der Venture-Capital-Fonds Grove hält deswegen Ausschau nach zukunftsträchtigen Technologien. Manager Dov Moran hat zum Beispiel das Start-up Mobileye beraten, deren kamerabasierte Sicherheitssysteme heute in vielen Fahrzeugen stecken – und die selbstfahrende Autos immer wahrscheinlicher machen.

Das ist eine unserer größten Herausforderungen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass unser Sportwagen eines der letzten Autos mit Lenkrad sein wird. Mit dem autonomen Fahren wird sich unsere Welt komplett verändern. Elektrifizierung, Digitalisierung, Konnektivität – das kann man alles stemmen, kann sich Geschäftsmodelle dazu ausdenken, aber dafür müssen wir erst noch unsere Nische finden. Immerhin, mit dem Thema Motorsport lässt sich einiges machen. Zum Beispiel könnte man den Autopiloten als Lehrmeister nutzen, sich von einem Profi wie Porsches Markenbotschafter Mark Webber virtuell die perfekte Linie zeigen lassen, um dann selbst das Lenkrad zu übernehmen. Passend dazu buchen Kunden sich vielleicht online für das Wochenende auf der Rennstrecke eine Zusatzversicherung über unsere Online-Plattform, die es übrigens jetzt schon gibt: Seit September vergangenen Jahres bieten wir für unsere Kunden in Deutschland situativ online buchbare Zusatzversicherungen an. Wir nennen dieses Angebot ,Porsche Shield‘. Ein rein digitales Produkt, das nicht direkt mit dem Fahrzeug zu tun hat, unseren Kunden aber Mehrwert bietet.

Früher hat ein Porsche-Mitarbeiter nie darüber nachgedacht, das Unternehmen je zu verlassen. Jetzt finden die jungen Leute unsere Produkte zwar toll, aber in erster Linie sind sie auf der Suche nach einer spannenden, flexiblen Arbeitswelt. Wenn man ihnen das als Industrieunternehmen nicht bieten kann, ist man nicht interessant. Von der zweifachen Öffnung, sowohl intern als auch nach außen, erhoffe ich mir, das Silodenken aus den Köpfen zu vertreiben. Das ist bei uns recht ausgeprägt: Stolz ist man vor allem auf das, was aus der eigenen Abteilung kommt. Aber damit blockieren wir uns selbst. Deswegen gehen wir jetzt zu den Leuten und sagen: ,Hört mal, es gibt ein Ziel, an dem arbeitet ihr jetzt im Team, definiert gemeinsam die Vorgehensweise. Ihr habt die Verantwortung, wartet nicht auf einen von oben, der euch sagt, was zu tun ist! Das ist wie im Sport, dann kann man auch die Erfolge im Team feiern.

Porsche - „Die Israelis fordern uns – und das ist gut so“ Porsche - „Die Israelis fordern uns – und das ist gut so“ Porsche - „Die Israelis fordern uns – und das ist gut so“

Meschke (links oben) im Gespräch mit Yahal Zilka von Magma Ventures

Ein prägendes Erlebnis in Israel war für den Porsche-Vorstand auch, als eine junge Mitarbeiterin des Start-ups Argus ihm auf einem Parkplatz demonstrierte, wie einfach sich ein Fahrzeug hacken lässt. Argus bietet seinen Kunden ein System, das es erlaubt, Fahrzeuge in Echtzeit zu überwachen und Angriffe von Hackern aufzuspüren, abzuwehren und gleichzeitig zu analysieren.

Ich habe dort unheimlich viel gelernt, ich bin ja kein Ingenieur, das war auch eine wichtige Fortbildung für mich. Heute sind wir als IT-Abteilung ja längst ein Teil des Produkts. Das ist auch ein weiteres Argument für bereichsübergreifendes Arbeiten im Unternehmen. Elektronik und IT lassen sich heute nicht mehr trennen. Die Technologie von Argus wird bald in vielen Fahrzeugen zu finden sein. Ein Zeichen, wie wichtig es ist, vor Ort zu sein, wenn sich Porsche den Zugang zu relevanten Technologien und Talenten sichern will. Allein in der Cybersicherheit gibt es in Israel 600 Firmen. Wie sollen wir die aus der Ferne filtern? In Tel Aviv geht es für uns darum, zu fragen: Wie muss unser Produkt zukünftig im Hinblick auf Digitalisierung, Konnektivität und Elektrifizierung aussehen und welche Sicherheitsfeatures brauche ich?

Generell gilt es für Porsche jetzt also, als traditioneller Sportwagenhersteller ohne Identitätsverlust und mit dem richtigen Tempo Lösungen für die digitale Mobilität der Zukunft zu finden.

Dabei geht es ja nicht nur darum, Technologie und Know-how zuzukaufen, mit Start-ups zusammenzuarbeiten oder mit Venture-Capital-Fonds. Die eigentliche Frage ist, wie wir diesen neuen Mindset in den Kern des Unternehmens transportieren. Es ist gar nicht lange her, da waren wir selbst noch ein relativ kleines Unternehmen. Wir haben gelernt, mit wenig Mitteln viel zu erreichen, mit kleinen Budgets erfinderisch umzugehen. Also sollte uns die Start-up-Kultur eigentlich nicht so fremd sein. Unser Motto war immer: Nicht unbedingt die meisten PS, aber wir kitzeln die größte Leistung raus. Das ist unsere Stärke.

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