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Porsche - Business Innovation

Business Innovation

„2050 bedient niemand mehr ein iPhone!“

Auf dem Weg in die digitale Zukunft ändert sich vieles. Was bedeutet das für Unternehmen und Mitarbeiter? Eine Standortbestimmung mit den Porsche-Innovationsmanagern Felix Hagemeier und Dr. Steffen Wütz.

Campus
Hallo Steffen, hallo Felix!

Steffen
Hallo!

Felix
Hallo!

Campus
Es ist viel die Rede vom Wandel. Was verbirgt sich denn dahinter und wo führt er eigentlich hin?

Steffen
Das ist eine gute Frage. Wandel heißt zunächst einmal Veränderung. Idealerweise folgt man hierbei einem konkreten Weg. Doch in welche Richtung wir uns in den nächsten Jahrzenten verändern, können wir heute noch gar nicht mit Sicherheit sagen. In der Automobilbranche haben wir ein paar Eckpfeiler wie die Elektromobilität, an denen wir uns orientieren.

Campus
Das klingt nach vielfältigen Möglichkeiten ...

Steffen
Genau. Wir denken im Grunde genommen über alles nach.

Campus
Auch jenseits von Automobil und Mobilität?

Steffen
Klar! Es geht nicht zuletzt darum, neue Geschäftsfelder aufzutun.

Campus
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Felix
Sie ist der Motor. Im Moment geht es darum, das Unternehmen überhaupt erst wandelbar zu machen. Die Digitalisierung eröffnet uns die Möglichkeit, Daten zu analysieren und sie besser zu nutzen. Sie hilft uns, Geschwindigkeit aufzunehmen.

Steffen
Das ist entscheidend. Um für künftige Anforderungen gewappnet zu sein, müssen wir flexibel sein. Für uns Innovationsmanager bedeutet dies, dass wir Innovationen fördern und Mitarbeiter befähigen, agil und kreativ zu sein.

Campus
Wo setzt man da in einem Unternehmen wie Porsche an?

Felix
Wir haben zwei Ansatzpunkte: Visionen und Rahmenbedingungen. Top-down und Bottom-up. Auf der einen Seite entwickeln wir Zukunftsbilder, wohin die Reise für das Unternehmen gehen könnte oder sollte. Dies bezieht sich insbesondere auf die Nutzung neuer Technologien. Auf der anderen Seite unterhalten wir uns sehr viel mit den Mitarbeitern und schauen, welche Herausforderungen sich ihnen im täglichen Arbeitsalltag stellen. Wir versuchen dann, beide Elemente miteinander zu verbinden. Wir fragen nach den Methoden und Technologien, die jeden Einzelnen unterstützen können und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft stellen. Das ist eine große Aufgabe, die nur gestemmt werden kann, wenn wir alle zusammenarbeiten.

Steffen
Konkret heißt das, wir helfen Mitarbeitern dabei, innovativ zu sein. Voraussetzung dafür: ressortübergreifende Zusammenarbeit, also Vernetzung, Begegnung, Austausch. Dafür haben wir zum Beispiel unsere Innovationsfläche. Die flexibel nutzbaren Räume laden zur kreativen Zusammenarbeit ein.

Felix
Wer gewohnte Grenzen überwindet, kann auch sein eigenes Handeln aus einer anderen Perspektive betrachten und hinterfragen, warum man bestimmte Dinge so und so macht und ob es nicht neue Lösungen gibt.

Campus
Gibt es dafür eine bestimmte Methode?

Steffen
Ja, beispielsweise Design Thinking. Ein strukturierter Ansatz mit sechs Phasen – vom Verstehen bis zum Testen. Das heißt, dass wir erst das Problemfeld verstehen wollen und das Kundenbedürfnis vor Ort beobachten. Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse entwickeln wir dann eine Vielzahl an Lösungsansätzen. Mit einem konkreten Fokus entwickeln wir folglich Prototypen, die wir mit den Kunden testen. Diesem iterativen Prozess folgen wir so lange, bis wir eine Lösung haben, die den Kunden vollkommen zusagt.

Felix
In Unternehmen mit gewachsenen Strukturen sind die Menschen häufig zu eng in einem Bereich tätig, sodass sie Dinge gar nicht mehr ganzheitlich betrachten können. Um eine andere Sichtweise zu bekommen, reicht es oft schon, mit Leuten aus anderen Bereichen zu sprechen. Und da sind wir auch gleich wieder bei der Digitalisierung. Aufgrund ihrer Tätigkeiten fehlt den Mitarbeitern hier häufig schlichtweg die Zeit. Gibt man ihnen nun digitale Tools an die Hand, die die Arbeit effizienter gestalten, können diese ihnen die nötigen Freiräume für Kreativität schaffen.

Campus
Auf der anderen Seite befürchten viele, dass künftig Roboter ihre Arbeit übernehmen könnten.

Felix
Digitalisierung und speziell das Thema künstliche Intelligenz verlangen künftig nach anderen Fähigkeiten. Natürlich werden in bestimmten Bereichen auch weniger Menschen benötigt. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen dann auf der Straße stehen. Ein Markenkern von Porsche ist die Familie. Und eine unserer Hauptaufgaben als Innovationsmanager besteht darin, Wege zu finden, wie man Trends mitgehen kann – auch um konkurrenzfähig zu bleiben – ohne jedoch diesen Markenkern aufzugeben. Wir gehen dieses Thema ganz offen an und vermitteln den Mitarbeitern, die Zukunft als Chance zu sehen. Wir müssen ihnen Wege aufzeigen, wie sie sich weiterqualifizieren können, um in Zukunft unter Umständen andere Tätigkeiten zu übernehmen. Die Marke Porsche steht dafür, Menschen mitzunehmen.

Campus
Wie weit bewegen wir uns eigentlich in die Zukunft, wenn wir über eure Ideen und Visionen sprechen?

Steffen
Spannende Frage! Wir arbeiten sowohl an Themen, die kurzfristig sichtbare Erfolge bringen, als auch an visionären Szenarien, mit denen wir weit nach vorne blicken. Unsere aktuelle Porsche-Strategie ist auf das Jahr 2025 ausgerichtet. Unsere Visionen orientieren sich darüber hinaus meist an den möglichen Gegebenheiten bis 2050. Bis dahin werden einige Megatrends unser Leben und Arbeiten auf jeden Fall grundlegend verändert haben.

Campus
Wie sehen die aus?

Steffen
Ein Riesentrend beispielsweise ist Shy Tech – hochintelligente Technologien, die sich hinter ganz einfachen Bedienpanels verstecken. 2050 wird niemand mehr ein iPhone oder Tablet bedienen. Stattdessen werden Flächen, die sich in die Umgebung einfügen, zu Bedienoberflächen. Mit der Technik wird quasi natürlich über Sprache und Gesten interagiert.

Campus
Kommen wir mal in die Jetztzeit zurück. Wie wird künstliche Intelligenz heute schon eingesetzt?

Steffen
Wir nutzen künstliche Intelligenz bereits erfolgreich im Recruiting. Hintergrund: Auf der Job- und Karriere- Facebookseite von Porsche können sich Studenten zum Beispiel im Chat über Praktika im Unternehmen informieren. Bisher haben Mitarbeiter alle Anfragen manuell beantwortet. Heute beantwortet ein Chatbot 80 Prozent der Anfragen in Echtzeit. Er verweist beispielsweise auf www.jobs.porsche.com, dort sind Praktikantenstellen ausgeschrieben.

Felix
Ein schönes Beispiel dafür, wie wir mit digitalen Möglichkeiten Freiräume für Mitarbeiter schaffen …

Steffen
Oder wir tun etwas für die Gesundheit – mit Sensorik in der Sitzfläche und Lehne eines Bürostuhls. Über Algorithmen leiten wir ab, wie lange und in welcher Haltung ein Mensch auf seinem Stuhl sitzt und animieren ihn, nach einer gewissen Zeit, die Sitzposition zu ändern oder aufzustehen und im Stehen zu arbeiten. Und die dazugehörige App gibt Tipps, wie man seinen Stuhl richtig einstellt, denn 70 bis 80 Prozent aller Bürostühle sind falsch eingestellt.

Felix
Die Daten bleiben übrigens beim Benutzer – er kann dadurch nicht überwacht werden. Der Datenschutz hat beim Thema Digitalisierung einen großen Stellenwert und wir achten da auch sehr drauf.

Campus
Uns ist aufgefallen, dass eure kreativen Prozesse, wenn es um Vernetzung und digitales Arbeiten geht, erstaunlich analog sind …

Steffen
UNBEDINGT!

Felix
Wie man hier bei Steffen sieht, scribbeln wir sehr viel. Sei es am Whiteboard oder im Malbuch.

Steffen
Und wir verwenden ganz viele Post-its.

Felix
Noch mehr als Kaffee!

[+]

Dem Visualisieren kommt bei uns große Bedeutung zu. Wir bauen beispielsweise auch Prototypen aus Lego …

Steffen
… So nehmen Visionen bei uns im wahrsten Sinne des Wortes Gestalt an.

Campus
Perfektes Schlusswort, vielen Dank!

Steffen
Gern geschehen!

Dr. Steffen Wütz (33)

[+]

Seit September 2016 ist Steffen Innovationsmanager mit Fokus auf HR. Für ihn stehen Innovationen im Mittelpunkt, die Mitarbeitern und Bewerbern zugutekommen. Er hat an der Universität St. Gallen in Business Innovation promoviert und Unternehmen unterschiedlichster Branchen beraten. Zuvor sammelte Steffen praktische Erfahrungen bei der Unternehmens- und Managementberatung KPMG sowie in zwei Start-ups aus den Bereichen Sportequipment und Ernährung. An der Technischen Universität München studierte er Betriebswirtschaftslehre und Maschinenbau.

Felix Hagemeier (33)

[+]

Felix arbeitet seit August 2017 als Innovationsmanager bei Porsche. Sein Fokus: Finanzen und IT. Er fungiert als Koordinator zwischen Porsche in Stuttgart und dem Digital Lab in Berlin. Felix ist außerdem Mitglied des Board of Directors seines vor drei Jahren gegründeten Start-ups für Bio-Lifestyle-Snacks. Vorher war er unter anderem für die Unternehmens- und Managementberatung KPMG tätig. Seinen Master of Business Administration (MBA) hat er an der IE Business School in Madrid gemacht und studierte außerdem Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke. Wenn Felix irgendwann mal Zeit findet, würde er gerne noch das Level III des Chartered Financial Analysts (CFA) erfolgreich abschließen.

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