Porsche - Panamera mexicana

Panamera mexicana

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Manchmal wird die Schönheit des Alltäglichen erst im Kontrast zu etwas völlig Fremdem sichtbar. Neben dem Asphaltband der Ruta Panamericana begegnet dem Reisenden eine Gelassenheit, die der Perfektion des Technischen die Leichtigkeit der Improvisation gegenüberstellt.

Am Zielpunkt dieses Tages wird uns die Natur komplett umschließen. Tausende, vielleicht Zehntausende auffällig orange-schwarze Edelfalter werden unseren Porsche Panamera 4S begleiten. Schwerelos. Sie umhüllen ihn wie eine pulsierende Wolke aus irisierender Farbe. Der flimmernde, gaukelnde Tanz der Monarchfalter wird die Sportlimousine im Staub der Ruta Panamericana am Ende unserer Fahrt von Mexiko-Stadt ins knapp 150 Kilometer entfernte Tal der Schmetterlinge freudig empfangen wie ein Lebewesen aus tausend Leibern.

Bis zu einer Milliarde der sogenannten mariposa monarca bevölkern jedes Jahr zwischen November und März die Region um Valle de Bravo, das wilde Tal. Sie kommen aus Kanada und den USA und legen auf dem Weg in ihre warmen Winterquartiere im bewaldeten Hochland von Zentralmexiko über mehrere Generationen rund 4.000 Kilometer zurück. Woher die Nachkommen auf der Reise ihren Weg wissen, ist ungeklärt. Monarchfalter kommen immer wieder zum selben Baum, wie die vierte Generation vor ihnen, ohne zuvor dort gewesen zu sein. In großen Trauben lassen sie sich auf kleinen Flächen nieder und tauchen Bäume und Felsen in ein leuchtendes Orange. Ihr kollektiver Flügelschlag klingt wie prasselnder Regen. Und wenn sie zusammen zur Sonne aufsteigen, verschwindet das Licht wie hinter einer Gewitterwolke.

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Geschäftsmodell: Anna-Maria Zaraba und Jessica Delgado sind Freundinnen und Kolleginnen – der kleine Laden gehört ihnen gemeinsam.

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Rastplatz: Frische Forellen verspricht der Wirt des Gasthauses, rund 3.000 Meter über dem Meeresspiegel.

Seit 2010 brechen die überwinternden Bestände drastisch ab. Waldrodung, Klimawandel und extremes Wetter bedrohen die Population. Ein knapp 60 Hektar umfassendes Biosphärenreservat soll sie schützen, auch deshalb ist Valle de Bravo ein spektakulärer Ort. Aber bevor uns das Schauspiel der Monarchfalter verzaubert wie in der Sonne trudelnde Seifenblasen ein Kind, liegt ein rauer Abschnitt der Ruta Panamericana vor uns. Ein Teilstück jenes legendären Asphaltbandes, das durch die Rennserie Carrera Panamericana Berühmtheit erlangt hat – und Porsche zwei Namen verlieh: „Carrera“ und „Panamera“.

Die mehr als 3.400 Kilometer lange Mexiko-Rallye wurde zwischen 1950 und 1954 ausgetragen. Sie ist eng mit Porsche verbunden. Während im ersten Jahr nur fünfsitzige Serienlimousinen teilnehmen durften, wurde das Rennen ab 1951 auch für Sportwagen geöffnet. Porsche beeindruckte sofort durch Etappensiege und dominierte schon 1954 das Klassement. In der Kategorie „Small Sports Cars“ belegte die noch junge Marke aus Zuffenhausen sechs der ersten sieben Plätze sowie den dritten Rang in der Gesamtwertung – damals der größte internationale Erfolg von Porsche bis zum Gewinn der Targa Florio 1956 auf Sizilien.

Anlass für das Rennen war die Fertigstellung des mexikanischen Teils der Ruta Panamericana, einer Schnellstraße, die Süd- und Nordamerika verbindet. Eine Route von Alaska bis nach Feuerland, die längste Traumstraße der Welt, die eigentlich keine Straße ist, sondern ein Netz von Tausenden Kilometern Asphalt. Regeln gab es bei diesem Rennen quer durch Mexiko kaum. Und so fuhren die Autos auch über öffentliche Straßen, Unfälle billigend in Kauf nehmend. Sieger war schließlich, wer als Erster das Ziel erreichte, fast egal wie. Doch das Risiko wurde bald zu groß. Nachdem die Carrera Panamericana fünf Mal stattgefunden hat, war sie schon wieder Vergangenheit. Aber ldee und Mythos leben weiter: seit 1988 als Oldtimer-Rallye mit strengen Sicherheitsbestimmungen.

Die Faszination dieser Fahrt durch die Mitte Amerikas ist spürbar, sobald man der Krake Mexiko-Stadt entkommt und sich die unfassbare Ruhe und malerische Schönheit der Landschaft im Kopf niederlässt. Die Souveränität des Panamera 4S trägt dazu bei. Der ohnehin leise laufende 2,9-Liter-V6-Motor mit seinen 440 PS verleitet dazu, ihn für einen Moment jenseits sichtbarer Zivilisation ganz schweigen zu lassen.

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Jenseits der Straße: Zelda Ramírez reitet mit Touristen in die Wälder und zu den Sammelplätzen der Schmetterlinge – Arbeit, die für sie Erfüllung ist.

Die fast andächtige Stille des Ortes wird nur unterbrochen vom leichten Schnauben zweier Pferde. Ein Moment der Einkehr, verdiente Ruhe nach mehreren Stunden Fahrt. Zelda Ramírez hält zwei Pferde, kraftvoll in der Muskulatur, aber eher kleiner gewachsen, fest an den Zügeln, als die blaue Sportlimousine auf dem Parkplatz ausrollt. Ihre Pferde sind für die 64-jährige Frau mit dem Cowboyhut eine Versicherung. Das Leben hier draußen ist nicht immer leicht. Touristen, die mit ihr in die Wälder reiten, sorgen dafür, dass es ihr gut geht. Sagt sie und lächelt dabei.

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Zufriedener Zuschauer: Seit vier Jahren genießt René de la Cruz die Arbeit am Rande der Ruta Panamericana.

Die Menschen in der Weite und in der Höhe Mexikos leben mit und von der Natur – und vom Spektakel der modernen Ausgabe der Carrera Panamericana. Auch die 21-jährige Jessica Delgado. Sie betreibt ein kleines Geschäft mit Fleisch- und Wurstwaren in Raíces, wenige Kilometer weiter Richtung Valle de Bravo, gemeinsam mit Freundin Anna-Maria Zaraba. Sie ist 73 Jahre alt und könnte problemlos Delgados Großmutter sein. Jeden Tag steht das Duo in dem kleinen Laden am Rande der Straße. Die Umsätze sind bescheiden. „Nur wenn die Rallye stattfindet, stehen die Besucher hier in langen Schlangen“, sagt Delgado, und ihre Augen leuchten. Unter den Rennfahrern und den Begleitfahrzeugen hat sich längst herumgesprochen, dass es bei den beiden Frauen leckeren Schinken gibt. Hauchdünn geschnitten. Der Geschmack bleibt unser Begleiter, bis wir den Schwärmen der mariposa monarca begegnen.

In der dünnen Luft der Region sowie in den Serpentinen soll sich nun auch der Panamera beweisen. Die Straße schlängelt sich durch den Nadelwald nach oben. Die Kurven werden enger, die Straßen schlechter. Der Porsche fährt leise darüber hinweg. Knapp 20 Kilometer hinter Raíces wird der Geist der Carrera Panamericana erlebbar. Bei einer Fahrt auf einer extra für uns abgesperrten Strecke. Fahrer und Beifahrer wollen jeweils die exakt 9,42 Kilometer lange Bergpassage mit Start auf 3.300 Metern Höhe und Ziel bei 3.600 Metern über dem Meeresspiegel in möglichst derselben Zeit absolvieren. Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern um Präzision. Schnell sammeln sich Zuschauer am Straßenrand. Carrera-Panamericana-Feeling. Auch weil Uniformierte dafür sorgen, dass die „Equipo Panamera“ nicht gestört wird.

Einer der bewaffneten Ordnungshüter ist Comisario Locio González Gómez. Seit Jahren ist er auch bei den echten Rallyes im Einsatz. „Immer wieder ein großartiges Erlebnis“, sagt der Polizist. „Es macht ebenso viel Spaß, die imposanten Fahrzeuge zu sehen wie die Kraft der Wagen und die Anspannung der Teilnehmer zu spüren.“ Der 45-Jährige kann trotz der Coolness der verspiegelten Sonnenbrille seine Begeisterung nicht verstecken.

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Alles im Blick: Hinter verspiegelten Gläsern beobachtet Comisario Locio González Gómez gemeinsam mit zwei Kollegen das Geschehen auf der Straße.

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Street-Food: Das handgemachte Plakat wirbt für gekochte oder gegrillte Maiskolben – allein die Ware fehlt.

Wir erreichen das Ende unserer Reise. Im Tal der mariposa monarca blicken wir wie benommen zum Himmel. Zu überwältigend ist das Bild, das die Netzhaut spiegelt. Es ist ein nur etwa 500 Meter langes Stück der Fahrbahn, über dem die Schmetterlinge flattern, um dann wieder zwischen den Bäumen des Waldes abzutauchen. Tief darin liegen die sogenannten Schreine der Monarchfalter. Sie zählen zu den wenigen Naturschönheiten, die als Welterbe gelten. Selten hat die Unesco richtiger gelegen.

Text Wolfgang Schäffer, Edwin Baaske
Fotos Graeme Fordham, My Loupe/Kontributor

La Carrera Panamericana

Die Einweihung des mexikanischen Teils der Ruta Panamericana, jenem Asphaltband, das Alaska mit Feuerland verbindet, ist die Geburtsstunde des berühmtesten Straßenrennens Amerikas. 1950 startete das Feld der fünfsitzigen Limousinen von Nord nach Süd. Sportwagen waren erst ab 1951 zugelassen. Für die insgesamt 3.436 Kilometer lange Strecke benötigten die Fahrer sechs Tage. Nach 1954 wurde das Rennen aufgrund zahlreicher Unfälle und Todesfälle eingestellt – Porsche gewann die kleine Sportwagenklasse in jenem Jahr souverän. 1988 wurde die Carrera Panamericana als klassische Oldtimer-Rallye wiederbelebt. www.lacarrerapanamericana.com.mx