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Wie man sich ins Rampenlicht tanzt.

Von Mexiko zur Ersten Solistin am Stuttgarter Ballett.

18 Jahre träumen und harte Arbeit haben sich gelohnt: Rocio Aleman lebt als Erste Solistin am Stuttgarter Ballett ihren Kindheitstraum.

Von Monterrey nach Stuttgart.

Rocio Alemans Eltern hatten es nicht leicht. Jahrelang lag ihre Tochter ihnen mit nur einem Wunsch in den Ohren: auf eine Ballettschule zu gehen. Als sie neun Jahre alt war, gaben ihre Eltern dem Wunsch nach – auch wenn sie zuerst gar nicht wussten, wo es überhaupt eine Ballettschule gab. Doch dann war eine gefunden, und Rocios Weg begann. Die erste Schule, die sie besuchte, war nur ein kleines, privates Studio. Doch die Lehrerin erkannte trotzdem sofort Rocios Talent – und dass sie weiter gefördert werden muss. Also besuchte Rocio Aleman von nun an die Escuela superior de Musica y Danza de Monterrey, wurde professionell gefördert und erkannte, dass aus ihrem vagen Kindheitswunsch mehr geworden war: Hobby und Berufung. Im Zuge der Ausbildung an dieser Schule nahm Rocio auch an Wettbewerben teil und gewann mehrere Stipendien – bis sie merkte, dass sie das Tanzen tatsächlich zu ihrem Beruf machen kann. Im Alter von 15 Jahren war es so weit: Rocio Aleman hatte es geschafft, einen Platz an der weltweit renommierten John Cranko Schule in Stuttgart zu bekommen. Der nächste Schritt ihres Traums sollte nun Wirklichkeit werden.

Früher habe ich viele Videos von europäischen Tänzerinnen geschaut; also war es mein Traum, auch in Europa zu tanzen.
Rocio AlemanErste Solistin am Stuttgarter Ballett. 
Rocio Alemans Traum: Menschen mit ihrem Tanz berühren.

Von der Schule auf die Bühne.

Für Rocio war es schwierig, ihre Familie in Mexiko zurückzulassen, um in Deutschland an ihrem Traum zu arbeiten. Aber die Zusage von einer der besten Ballettschulen der Welt war eine Chance, die sie unbedingt nutzen wollte – auch wenn es bedeutete, sich ganz allein in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen. Schon während der Zeit auf der John Cranko Schule schaute Rocio Aleman oft bei den Generalproben des benachbarten Stuttgarter Balletts zu – und wollte unbedingt ein Teil der Compagnie sein, weil sie so beeindruckt von den gezeigten Leistungen war. Die harte Arbeit und Rocios eiserner Wille zahlten sich schließlich aus. Nachdem sie nach drei Jahren ihren Abschluss an der John Cranko Schule geschafft hatte, wurde sie tatsächlich vom Stuttgarter Ballett übernommen: Zur Spielzeit 2011/2012 startete sie dort als Elevin, das ist immer die erste Position nach der Ausbildung.

Es geht nicht darum, schnelle Ergebnisse zu erzielen, sondern sich klare Ziele zu setzen und die Arbeit und den Prozess zu genießen, die mit dem Erreichen dieser Ziele verbunden sind. Und vor allem ist sehr wichtig, Leidenschaft für das zu haben, was man tut.
Rocio AlemanErste Solistin am Stuttgarter Ballett. 
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Rocio Aleman – Erste Solistin am Stuttgarter Ballett.

Von der Elevin zur Ersten Solistin.

Rocio ist da angekommen, wovon viele Tänzerinnen ihr Leben lang nur träumen können: Sie hat ein festes Engagement am Stuttgarter Ballett bekommen. Doch Rocio stellte fest, dass es nicht den einen Moment gibt, in dem sie sagen konnte: „Das war’s, jetzt lebe ich meinen Traum.“ Denn der Traum und Rocios Wünsche entwickelten sich kontinuierlich weiter. Sie wollte immer noch mehr an sich arbeiten, noch besser werden. Mit den besten Choreografinnen und Choreografen arbeiten. Und jede Rolle, die ihr angeboten wird, so gut tanzen, wie es ihr irgendwie möglich ist. Dieses Arbeitsethos hat sich weiterhin ausgezahlt: Über Rollen im Corps de Ballett, als Halbsolistin und Solistin tanzte sie sich immer weiter nach oben. Bis sie zur Spielzeit 2021/2022 einen Schritt schaffte, den seit 2014 keine Tänzerin mehr geschafft hatte: Rocio Aleman wurde zur Ersten Solistin des Stuttgarter Balletts befördert. Das bedeutet: Sie übernimmt nun Hauptrollen. Und das wiederum bedeutet: Die Arbeit ist längst nicht getan. Denn dafür wird bis zu sechs Wochen durchgehend geprobt – und der Druck ist sehr hoch. Doch Rocio ist bereit, sich diesem Druck zu stellen. Denn sie lebt für den Moment, in dem sich der Vorhang hebt und sie ihre wochenlange Arbeit in diesen Augenblick stecken kann. Um das Publikum zu begeistern – und zu berühren.

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Wir sehen St. Vincents Gesicht in einer Nahaufnahme von der Seite. Sie sieht zufrieden aus und lächelt ein wenig.