Wie man ein Rallye-Fahrer wird.

Eigentlich deutete nicht viel darauf hin, dass aus dem jungen Walter eine Rallye-Legende werden würde. Da war der 11 Jahre ältere Bruder, der ihm die Faszination für Fahrzeuge im Allgemeinen und den Porsche 356 im Besonderen mitgab. Allerdings teilen viele Menschen die Begeisterung für schnelle Autos, ohne Rennfahrer zu werden. Auch Walter strebte zunächst einen anderen Lebensweg an. Ski-Rennläufer wollte er werden, bis ihn eine Verletzung ausbremste. Er schloss sogar eine Zertifizierung als Ski-Lehrer ab, aber da hatte er sein Herz bereits an den Rallyesport verloren. Doch zunächst absolvierte Walter eine kaufmännische Ausbildung beim Bischöflichen Ordinat Regensburg. Sobald er den Führerschein hatte, wurde er dort als Fahrer eingesetzt, ein zaghafter Beginn seiner späteren Karriere. Im selben Jahr ereilte Walter Röhrl ein gewaltiger Schicksalsschlag: Sein Bruder, Vorbild und Förderer seiner Leidenschaft, starb bei einem Verkehrsunfall – und hinterließ beim jungen Walter einen lang andauernden Zwiespalt gegenüber dem Motorsport. Nichtsdestoweniger setzte sich die Leidenschaft durch. Mit seinem ersten eigenen Sportwagen – einem Porsche 356 natürlich – und mit den ersten Starts bei Rallyes. Damals war Walter noch unbekannt und musste seine Teilnahmen mit einem Partner sowohl selbst finanzieren als auch mit privaten Fahrzeugen bestreiten. Die ersten zwei Jahre seiner Karriere bestritt Röhrl auf diese Weise, bis er ein Angebot des Ford-Teams bekam. Von nun an erhielt er eine kleine Gage und musste die Startgebühren nicht mehr selbst aufbringen – der wohl wichtigste Punkt.

Das Entscheidende spielt sich im Kopf ab. Du brauchst die Bereitschaft, jede Sekunde voll konzentriert zu sein.
Walter RöhrlRallye-Fahrer

Große Ziele. Erste Erfolge.

In den folgenden Jahren wurde Walter Röhrl zum professionellen Rallye-Fahrer. Er gab seine Anstellung beim Bischöflichen Ordinat auf und startete bei immer mehr Rennen. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. 1974 gewann er mit seinem Co-Piloten zum ersten Mal die Rallye-Europameisterschaft. Bereits zu Beginn seiner Karriere hatte sich bei Walter ein Traum eingebrannt, den er mit jedem Rennen und mit jedem Sieg weiter verfolgte: der Sieg bei der Rallye Monte Carlo. Er ließ sich weder von Niederlagen noch von Problemen mit seinen Fahrzeugen unterkriegen und arbeitete immer weiter an diesem Ziel. 1980 war es dann endlich soweit. Inzwischen war Röhrl zum Fiat-Team gewechselt und es gelang ihm, die prestigeträchtige Rallye Monte Carlo zu gewinnen. Ein Jahr später kam es zu einer Begegnung, die sein Leben noch lange beeinflussen sollte: Walter wurde übergangsweise Fahrer für das Porsche-Team. Eigentlich sollte er für ein anderes Team starten, das dann aber seine Rallye-Ambitionen begrub. So kam es zu Röhrls kurzer Kooperation mit der Traummarke seiner Kindheit – die zugleich der Grundstein für die spätere Arbeit als Porsche-Testfahrer sein sollte.

Jede Niederlage hat mich unheimlich getroffen, war aber auch zusätzliche Motivation, es das nächste Mal besser zu machen.
Walter RöhrlRallye-Fahrer

Angetrieben von Ehrgeiz.

Ursprünglich hatte Walter Röhrl sich gesagt, dass er nach dem Sieg in Monte Carlo alles erreicht haben würde, wovon er geträumt hat. Und dass er dann genauso gut aufhören könnte. Doch sein Wille zum Erfolg ließ eine vorzeitige Beendigung der Karriere nicht zu. Er fuhr noch viele weitere Jahre mit unterschiedlichsten Teams Rallyes und es gelang ihm, seinen Monte-Carlo-Traum noch drei weitere Male zu erfüllen. Insgesamt wurde er zweimal Weltmeister, einmal Europameister und gewann unzählige Rennen. Doch das, was Walter Röhrl immer noch mehr angetrieben hat als seine Siege, waren die Niederlagen. Der konstante Ehrgeiz, der stetige Wunsch, es immer besser machen zu wollen, waren seine ständigen Begleiter – und vermutlich auch der Grund für seinen überragenden Erfolg. Auch nachdem Walter seine Karriere 1992 beendete, konnte er seine Finger nicht vom Motorsport lassen. Nach einem kurzen Engagement bei Audi wurde er Chef-Testfahrer und Repräsentant für Porsche – und konnte so einen weiteren Kindheitstraum erfüllen.

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