Gelungene Generalprobe für die 24 Stunden von Le Mans: In einem nervenaufreibenden Herzschlagfinale gewannen die Porsche-Werksfahrer Marc Lieb (Ludwigsburg) und Richard Lietz (Österreich) vom Team Felbermayr-Proton beim Sechs-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps die Klasse GTE Pro. Für den neuen Porsche 911 GT3 RSR war es der erste Sieg in der World Endurance Championship. Auch der Sieg in der Kategorie GTE Am ging an ein Porsche-Team: Nach 139 Runden auf dem anspruchsvollen Traditionskurs in Belgien fuhren die Franzosen Nicolas Armindo, Raymond Narac und Anthony Pons vom Team IMSA Performance Matmut als Klassensieger über die Ziellinie.
Die Zuschauer in den Ardennen hielten den Atem an. Die letzten Runden bei der Europa-Premiere der neuen World Endurance Championship, in denen Richard Lietz seine knappe Führung vor den Ferrari mit vollem Einsatz verteidigte, waren an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten. Mit einer bärenstarken Leistung hielt der Porsche-Werksfahrer seine Verfolger auf Distanz und stellte schließlich mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade mal sechs Zehntelsekunden den Klassensieg für Porsche sicher. Für den Österreicher und seinen Werksfahrerkollegen Marc Lieb, der auf regennasser Piste gestartet war und nach etwas mehr als einer Stunde die Führung erobert hatte, war es nach ihrem zweiten Platz beim Saisonauftakt in Sebring der erste Sieg in der neuen Langstreckenweltmeisterschaft.
„Die letzten Runden waren echt schwierig. Auf der Strecke war viel Verkehr und meine Reifen hatten bereits einen Doppelstint hinter sich. Doch wenn du mit letztem Einsatz fährst, kannst du nicht auch noch auf die Reifen aufpassen. Ich habe zum Schluss wirklich jede Runde gezählt“, sagte Richard Lietz. „Die zwei Safety-Car-Phasen konnten wir natürlich überhaupt nicht gebrauchen, die haben uns viel Zeit gekostet. Ohne sie wäre es am Ende sicherlich nicht ganz so eng geworden. Wir haben schon lange nicht mehr gewonnen, das wurde echt Zeit. Dieser Sieg ist wichtig für Porsche, für uns und natürlich auch für unser Team, das heute einfach alles richtig gemacht hat.“
Es war auch ein Sieg der Strategen. Obwohl die Piste beim Start nach teilweise heftigen Regenschauern noch sehr nass war, setzte das Team auf eine abtrocknende Strecke und schickte Marc Lieb mit harten Regenreifen ins Rennen. Diese Entscheidung war goldrichtig. „Natürlich ist da immer auch ein Risiko dabei, aber diesmal hat es genau gepasst“, sagte Marc Lieb. „Auch dass wir sehr früh vor allen anderen auf Slicks gewechselt haben, war sicherlich mit Ausschlag gebend für diesen Erfolg. Wir haben dadurch gegenüber unseren Konkurrenten sehr viel Zeit gut gemacht und konnten in den ersten zwei Rennstunden eine komfortable Führung herausfahren, die uns letztlich den Sieg gebracht hat.“
Einen Doppelerfolg feierten die Porsche-Teams in der Klasse GTE Am. Die Franzosen Nicolas Armindo, Raymond Narac und Anthony Pons vom Team IMSA Performance Matmut, die sich in dieser Saison auf die European Le Mans Series konzentrieren, sicherten sich als Gaststarter ohne Anspruch auf Meisterschaftspunkte den Sieg. Mit dem zweiten Porsche 911 GT3 RSR von Felbermayr-Proton belegten Teameigner Christian Ried (Schönebürg) und seine italienischen Teamkollegen Gianluca Roda und Paolo Ruberti, die Auftaktsieger von Sebring, den zweiten Platz. Sie kassierten dafür aber die volle Punktzahl und bauten die Führung in der Team Trophy weiter aus.
„Das war ein fantastisches Rennen und auch für uns eine gute Vorbereitung auf Le Mans“, sagte Christian Ried. Porsche-Cup-Gewinner Gianluca Roda sagte: „Für uns hat diese Saison hervorragend begonnen. Jetzt kommt Le Mans, das wichtigste Rennen des Jahres. Darauf konzentrieren wir uns jetzt mit aller Kraft.“
Der 24-Stunden-Klassiker in Le Mans wird am 16./17. Juni als dritter Lauf der World Endurance Championship ausgetragen.
Ergebnis
Klasse GTE Pro
1. Lieb/Lietz (D/A), Porsche 911 GT3 RSR, 144 Runden
2. Fisichella/Bruni (I/I/), Ferrari F458 Italia, 144
3. Melo/Makowiecki (BRA/F), Ferrari F458 Italia, 143
4. Bertolini/Beretta (I/MC), Ferrari F458 Italia, 141
Klasse GTE Am
1. Armindo/Narac/Pons (F/F/F), Porsche 911 GT3 RSR, 139 Runden
2. Ried/Roda/Ruberti (D/I/I), Porsche 911 GT3 RSR, 139
3. Perazzini/Cioci/Griffin (I/I/GB), Ferrari F458 Italia, 138
6. Camathias/Palttala/Daniels (CH/SF/GB), Porsche 911 GT3 RSR, 134
Punktestand
World Cup Hersteller Klasse GTE (Pro und Am)
1. Porsche, 68 Punkte
Ferrari, 68
3. Chevrolet, 30
Team Trophy Klasse GTE Pro
1. AF Corse, Ferrari , 44 Punkte
2. Felbermayr-Proton, Porsche, 43
3. Aston Martin Racing, Aston Martin, 15
Team Trophy Klasse GTE Am
1. Felbermayr-Proton, Porsche, 50 Punkte
2. Labre Competition, Chevrolet, 26
3. AF Corse-Waltrip , Ferrari, 12
Alle Berichte zur vergangenen Saison finden Sie in unserem Archiv.