Im Sauseschritt geht es für die Porsche-Junioren Klaus Bachler und Michael Christensen durch ihr erstes Ausbildungsjahr. Dabei liegen Freude und Frust oft nah beieinander. Der ehemalige Grand-Prix-Kurs im niederländischen Zandvoort erwies sich als harte Nuss für die 21-Jährigen. „Ich bin ein bisschen enttäuscht von meiner Leistung“, grübelte Bachler, der für das Team Deutsche Post by tolimit fährt, nach den freien Trainings und dem Qualifying, wo er die Startplätze 13 und 14 holte. „Die Strecke verzeiht keine Fehler, aber sie lockt einen in Fehler, vor allem die vielen Bodenwellen machen mir zu schaffen.“ Christensen erging es mit den Startplätzen neun und neun ein wenig besser. „Das Qualiyfing war tricky“, sagte der Konrad-Motorsport-Pilot. „Als ich mit dem ersten Reifensatz unterwegs war, dachte ich, ich könnte mich noch verbessern. Aber dann kam die gelbe Flagge und mit dem zweiten Reifensatz steckte ich im Verkehr fest. Schade, ich bin ein wenig enttäuscht.“
Die beiden waren donnerstags bereits mit rauchenden Köpfen an der Nordseeküste angereist. Sie kamen von einer Medienschulung, die der Carrera-Cup-Streckensprecher und -Moderator Burkhard Bechtel im Rahmen des Ausbildungsprogramms für sie veranstaltet hatte. Direkt nach den Nürburgring-Rennen starteten Bachler und Christensen daher nach Köln durch. Während sie am Montag bei der WIGE AG die Produktion der N24-Reportage zum Carrera Cup begleiten durften und von Bechtel schon mal theoretische Grundlagen serviert bekamen, stand am Dienstag ein intensives Interviewtraining auf dem Programm – inklusive Aha-Erlebnis für beide. „Ich zeige in den Interviews und Gesprächen zu wenig Emotionen“, lautete die zentrale Erkenntnis von Christensen nach dem anstrengenden Tag mit dem „Lehrherrn“ Bechtel. Der Däne weiß nun, „dass ich an mir arbeiten muss. Ich habe gelernt, dass es sehr wichtig ist, wie man sich verhält. Ich sollte auch von mir aus auf die Journalisten zugehen, denn es ist wichtig, dass sie mich kennen. Sonst findet man in den Medien nicht statt.“
Klaus Bachler lobte erstmal seinen Ausbilder: „Der Burkhard hat das toll gemacht“, meinte der Junior beeindruckt. Und was war sein Aha-Erlebnis? Er seufzt. „Mir hat das Interviewtraining zum einen gezeigt, dass es ganz tolle Momente gibt. Man ist glücklich, freut sich und merkt, dass dann alles automatisch ganz locker von den Lippen geht. Und dann gibt es Situationen, da bin ich verkrampft. Und das wirkt sich dann ganz negativ auf ein Interview aus. Ich habe also gelernt, dass ich offen, ehrlich und relaxed rangehen muss, dann kann ich es ganz gut.“
Nach den Rennen zogen beide eine gemischte Bilanz. Für Klaus Bachler endete der wegen sintflutartig einsetzendem Regen nach acht Runden abgebrochene Samstagslauf als Achter einigermaßen erfreulich. „Meine Startposition für den ersten Zandvoort-Lauf war bescheiden, also habe ich versucht, ein gutes Rennen hinzukriegen. Schade, dass sie wegen des Regens abgebrochen haben, mir hätte es Spaß gemacht.“ Nur Rang 20 lautete das Resultat von Michael Christensen nach einem verkorksten Rennen. Der Däne war als Neunter gestartet und lag an aussichtsreicher Position, als er sich bei einem Überholmanöver verschätzte: „Als ich Jeroen Mul überholen wollte, machte er die Tür zu. Wir haben uns berührt und ich habe mich gedreht. Es war mein Fehler. Ich musste das ganze Feld passieren lassen, das war vielleicht ein blödes Gefühl.“
Sonntags wurde Christensen Siebter, Bachler Elfter. „Mit meinem Rennen bin ich zufrieden“, meinte der Däne. „Als Neunter gestartet, als Siebter angekommen. Mehr war nicht drin heute.“ Der Österreicher bilanzierte: „Ich bin echt zufrieden. Zum einen habe ich aus Startplatz 14 mit Rang elf das Beste gemacht, zum anderen konnte ich auf abtrocknender Strecke die Rundenzeiten der Spitze fahren, das freut mich besonders.“
Von der Nordseeküste ging’s Sonntag nach vollbrachter Arbeit quer durch die Niederlande und durch Deutschland gen Osten: Am Sachsenring drücken Bachler und Christensen dann bei einem Workshop der Weltautomobilbehörde FIA, der FIA Institute Young Driver Excellence Academy, die Schulbank, gemeinsam mit 16 weiteren Nachwuchspiloten aus aller Welt, unter anderem aus Australien, den USA und Costa Rica.