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Ferry Porsche

Ferdinand (Ferry) Anton Ernst Porsche

Am 19.09.1909 wurde Ferdinand (Ferry) Anton Ernst Porsche als zweites Kind von Ferdinand und Aloisia Porsche in Wiener Neustadt geboren. Seine Schwester Louise (1904-1999) war bereits fünf Jahre alt. Sein Vater war zu dieser Zeit Technischer Direktor bei Austro-Daimler in Wiener Neustadt.

Ferry Porsche gehörte zu den ersten Mitarbeitern seines Vaters im Konstruktionsbüro, das dieser 1931 in Stuttgart gegründet hatte. Zuvor hatte Ferry Porsche nach seinem Schulabgang ein einjähriges Praktikum bei der Firma Bosch in Stuttgart absolviert, im Anschluss daran erfuhr Ferry Porsche über ein weiteres Jahr eine theoretische, intensive private Unterweisung in der Automobiltechnik. Schon 1932 übernahm Ferry Porsche Verantwortung, als ihm die Versuchsüberwachung, die Koordination der Konstrukteure sowie die Pflege der Verbindungen zu den Auftraggebern (z.B. Auto Union in Zwickau) übertragen wurde. Nachdem 1934 die Dr. Ing. h.c. F. Porsche GmbH vom Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) den Auftrag für den Bau eines Volkswagens (Porsche Typ 60) erhalten hatte, wurde Ferry Porsche bald die Verantwortung für die Durchführung der Versuchsfahrten übertragen. Die stetig wachsende Inanspruchnahme seines Vaters beim Aufbau des Volkswagenwerks in Wolfsburg führte dazu, dass Ferry Porsche stellvertretender Leiter des Gesamtbetriebs wurde, der seit 1938 in Stuttgart-Zuffenhausen angesiedelt war. Mit der steigenden Bedrohung der Luftangriffe auf Stuttgart wurden unter Ferry Porsches Leitung 1944 wesentliche Teile des Konstruktionsbüros nach Gmünd/Kärnten verlagert, die Zentrale und Ferry Porsche selbst blieben in Stuttgart.

Nach mehrmonatiger amerikanischer und französischer Haft und Internierung kehrte Ferry Porsche im Juli 1946 nach Gmünd/Kärnten zurück, dem einzigen Sitz der Firma seit Kriegsende, und übernahm die Leitung der Geschäfte, da sein Vater sich noch in französischer Gefangenschaft befand. Die Umsetzung seiner Idee eines kleinen Sportwagens auf der Basis des Volkswagens zusammen mit Chefkonstrukteur Karl Rabe (1895-1968) und dem Karosseriedesigner Erwin Komenda (1904-1966) war, 17 Jahre nach Gründung des Konstruktionsbüros durch seinen Vater, ein Scheideweg für das Unternehmen, das nun in seiner Aufgabenstellung den Charakter als reines Konstruktionsbüro verlor und auch zur Produktionsfirma wurde.

Mit dem Porsche Typ 356 begründete Ferry Porsche1948 den weltweiten Ruf der Firma als Hersteller erfolgreicher Sport- und Rennwagen, wobei er einerseits die Konstruktionsprinzipien übernahm, die sein Vater beim Volkswagen (luftgekühlter Boxermotor im Heck) anwendete, und andererseits die Renntradition weiterführte, die sein Vater schon seit Beginn seiner Konstrukteurstätigkeit 1900 begründet hatte. In Gmünd wurden 52 Exemplare des Porsche Typs 356 von Hand gebaut.
1949 kehrte Ferry Porsche in seiner Funktion als Geschäftsführer mit der Firma nach Stuttgart-Zuffenhausen zurück. Die ehemaligen Gebäude waren jedoch noch von den Amerikanern besetzt. Unter provisorischen Bedingungen wurde deshalb in angemieteten Räumen der Karosseriefirma Reutter im Frühjahr 1950 der erste Porsche 356 fertiggestellt. Vorausgegangen war ein für die Firma zukunftsweisender Vertrag, den Ferry Porsche mit Heinz Nordhoff (1899-1968), dem Generaldirektor von Volkswagen, geschlossen hatte. Der Vertrag beinhaltete die Lieferung der benötigten Teile für das Sportwagenprogramm durch das Volkswagenwerk. Außerdem sollten die von der Firma gefertigten Autos über das Vertriebsnetz des VW-Werks verkauft und über dessen Service-Organisation gewartet werden. Die Fa. Porsche verpflichtete sich ferner, dem Volkswagenwerk bei Konstruktionsaufgaben beratend zur Verfügung zu stehen.

Einen zweiten tragenden Pfeiler sicherte Ferry Porsche mit den Verträgen, die er mit den VW-Großhändlern schloss, die eine finanzielle Stabilisierung für die zukünftige Entwicklung der Firma bedeuteten.

Als sein Vater im Januar 1951 starb, hatte Ferry Porsche die alleinige Verantwortung übernommen und führte das Unternehmen als Geschäftsführer bis zur Umwandlung der Porsche KG in eine AG im Jahre 1972. Die Aktien befinden sich auch nach der Erhöhung des Grundkapitals der AG 1984 als Stammaktien im alleinigen Besitz der Familien Porsche und Piëch.

Auch als Aufsichtsratsvorsitzender bestimmte Ferry Porsche weiterhin den von ihm geprägten Geist des Hauses Porsche. Dieser war durch die sportliche Tradition bestimmt, die sich einerseits in den mit Hinblick auf den Einsatz im sportlichen Wettbewerb bereits gebauten Autos widerspiegelte und andererseits in die Konstruktion zukünftiger Modelle einfloss. 1990 gab Ferry Porsche den Vorsitz im Aufsichtsrat ab, gehörte diesem aber bis zu seinem Tode als Ehrenvorsitzender an.

Ferry Porsche starb am 27.03.1998 in Zell a.S. und liegt an der Seite seiner Eltern und seiner Frau Dorothea in der Grabkapelle des Schüttguts in Zell a.S. begraben.

Sein Engagement für die Weiterentwicklung des Automobils wurde mit zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. 1965 verlieh ihm die TH Wien die Ehrendoktorwürde, 1984 das Land Baden-Württemberg den Titel eines Honorarprofessors. Er war unter anderem Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich (1975), des Großen Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern (1979), der Bürgermedaille der Stadt Stuttgart (1989), Ehrenbürger der Städte Zell a.S. (1981) und Wiener Neustadt (1994).