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Porsche Wappen

Unser bestes Pferd im Stall

Ein Porsche braucht eigentlich kein Autokennzeichen: Das Prüfsiegel prangt auf der Haube. Seit 1952 ist jeder Porsche mit diesem Logo gut gewappnet – auch ein Jubiläum.

Die Variationsmöglichkeiten waren riesig, die Gefahr, etwas falsch zu machen, ebenfalls. Doch siehe da: Das Ergebnis geriet zum Wohle aller. Professor Ferdinand Porsche, sein Sohn Ferry und ihre Getreuen machten sich Anfang der Fünfziger daran, ein Firmenzeichen zu entwickeln, welches sowohl einen Bezug zum Standort Stuttgart haben sollte als auch eine dynamische Ausdruckskraft.

Nach verschiedenen Entwürfen, unter anderem aus der Zeichenfeder des Porsche Ingenieurs Franz Xaver Reimspieß, wurde schließlich ein Wappen erschaffen, das in aller Welt längst zum Markenzeichen der Firma geworden ist. Komponiert wurde das Emblem zunächst aus Elementen der Historie Württemberg-Badens, wie das politische Gebilde damals noch hieß: stilisierte Geweihe und die Landesfarben Rot-Schwarz. Dies war als klares Bekenntnis zur zweiten schwäbischen Heimat der Familie Porsche gedacht.

In der Mitte des Wappens steigt ein schwarzes Pferd auf, Ausdruck sowohl vorwärtsstürmender Kraft als auch Ableitung des Stadtsiegels. Denn Stuttgart, gegründet im Jahr 950 als Pferdezuchtgut „stuotgarten“, trägt seit dem 14. Jahrhundert Pferde im Wappen, in wechselnden Ausführungen. Mit dem Ross und dem Schriftzug „Stuttgart“ setzte man bei Porsche ein eindeutiges Zeichen der Verbundenheit mit dem Standort. Das Wappen besitzt die äußeren Konturen eines Schildes, wobei der Begriff „Wappen“ sprachgeschichtlich gleichbedeutend ist mit „Waffen“, also Wehrhaftigkeit bedeutet. Porsche als übergreifender Namenszug, sozusagen als Dach des Ganzen, krönt die gelungene Komposition.

Zwar gab es Anlaufprobleme, zähe Verhandlungen mit Behörden, zumal diese ihr „in Ordnung“ geben mussten. Letztlich aber wischten die Hüter der Stadt ihre Bedenken angesichts der geballten Heimatverbundenheit des Wappens beiseite.

Und so trug 1952 der 356er erstmals das charakteristische Schild, und zwar im Hupknopf des Lenkrads, was Professor Ferdinand Porsche, gestorben am 30. Januar 1951, nicht mehr erleben sollte. Ende 1955 sah man das Wappen auch auf der Haube des 356ers, integriert in den Griff. Den Griff gibt es zwar nicht mehr, doch das Wappen auf der Haube ist geblieben. Ab 1959 zeigten auch die Radkappen das Pferd, die Geweihe, die Schriftzüge – vielleicht, weil der Passant dadurch den Sportwagen auch von der Seite identifizieren konnte. Bei dieser spärlichen, aber gut platzierten Verteilung ist es bis heute geblieben.

Denn Anlass zu Überlegungen, die bildhafte und ausdrucksstarke Komposition des Porsche Wappens abzuändern und damit kaputtzumodernisieren, gab es nicht. Zwar wurde für gedruckte Darstellungen, für Prospekte und Korrespondenzen im Laufe der Jahre der Schriftzug leicht abgespeckt, das Pferd in seinen Konturen geglättet. Für den Porsche Fan im In- und Ausland, der mit dem Abbild den Sportwagen wie eine Ikone assoziiert, hat sich jedoch seit 50 Jahren nichts geändert.

Text: Thomas Schulz
Quelle: Christophorus, 295